Dialog mit Alexander Kluge (Texte, Zeichnungen, Objekte, Fotografie)

bisherige Themen: N.E.U. / Aufstand / Napoleon_Kubrick_Kluge / Der junge Marx / Eis Essen / Brecht_Benjamin (auch  Schach) / Schach (eine neue Figur) / Fliege im Pernodglas / Blue Moon / Jean Baptiste Kleber (Zirkus) / Der verlorene Buchstabe / Das neue Alphabet_Zeichen_Semantik / Eulenspiegel / von dem Bach Zelewski / Winter of Love / Hitlers Kopfgrippe

Photo: Maximilian Geuter, Thomas Thiede

BIG SLEEP_Beitrag_Thomas Thiede

 

 

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N.E.U., 2019 _ Thomas Thiede (installation) _ plastic, lacquer, metal, cables, lamps, monitors, stuffed animal _ 600 x 300 x 300 cm Alexander Kluge (film) _ „Reformzirkus“ 1970 (2:06:39 min) / „Hinrichtung eines Elefanten“ 2007 (14:25 min) / „Schmiedepresse“ 2018 (4:38 min) / Kompilation: „Orakelbefragung_ Baal“ „Alphabet_1“ „Im_Gestein_der_Zeichen“ 2019 (4:57 min)

 

 

 

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AUFSTAND, 2017 _ church pew, metal, cardboard _ Erlöserkirche Munich

Kunst hat kein Dach / Seit der Reformation (und auch die Gegenreformation mit ihren gewaltigen Kräften und Kirchenbauten gehört zu dieser Periode) sind 500 Jahren vergangen. Mit Kirchenschiffen, zu den heiligen Städten im Südosten ausgerichtet, mit Kirchenbänken in Richtung der Altäre, wurde mit Gott gerungen. In vielen Ernstfällen hat das nichts genutzt. Noch eben in Aleppo kommt aus dem Himmel ingenieursmäßig gefertigtes UNHEIL. Die Ertrinkenden im Mittelmeisr stürzen nicht in Gottes Hand, sondern sinken hinab zum Meeresboden. Solche Wahrnehmung legt die Frage nahe, ob frontales Beten zu den Altären überhaupt hilft. Es ist notwendig, daß die Seelen sich erheben. Man muß die Sitzbänke senkrecht stellen. Wie gotische Kathedralen drängt die Haut menschlicher Hintern, Sitz der Hoffnung, von den Sitzflächen nach oben. Es gilt, die Himmel von Drohnen und Jagdbombern zu säubern. Kirchenbau ist Seelenbau: ERSTBEDACHUNG = Architektur von Innen. / Text: Alexander Kluge, 2017

Unerklärliche Reaktion 1942 im Sandgestein der Kathedralen / „Wenn Hitler steht am Wolgastrom / Den Rhein entlang sinkt Dom für Dom.“ Ein Wahrsager namens Regnon C. Iturbé hatte in der Schweiz diese Behauptung aufgestellt. Tatsächlich hatte eine märchenhafte Erkrankung die Kirchenschiffe längs des Rheins ergriffen. Der Sandstein lief aus. Was für ein schrecklicher Anblick wäre es, lägen die mächtigen Bauwerke als ein Haufen Sand in den Städten. Luftschutz ist personengleich mit Katastrophenschutz. Der liegt bei den Regierungspräsidenten. Man konnte ausschließen, daß das Phänomen mit den nächtlichen Angriffen der Royal Air Force zu tun hatte. In jenem Monat waren die Spitzen des 24. Panzerkorps zur Wolga durchgebrochen. Ein sommerlicher Fluß von gewaltiger Breite. Anpflanzungen von Landwirtschaft (auch Treibhäuser) und von Industrie (am Ufer in die Länge gestreut). Der Führer hatte diese Front nicht besucht. Es konnte nicht gesagt werden, »daß Hitler am Wolgastrom steht«. Andererseits befand sich der Zerfallsprozeß der rheinischen Dome auch erst im Anfang. Regierungsrat Erich Löwe, eine rheinische Frohnatur, fand den einzig praktikablen Ausweg. Angesagt war es, Zement bereitzustellen und die Dome durch Gerüste mit Beton zu ummanteln. Das stützte, wenn nicht überirdische Kräfte tätig waren, die Bauwerke, auch »wenn deren Sanduhr lief«. Zuletzt könnte man, meinte der Bauexperte, die Gotteshäuser in Beton neu aufgebaut haben, noch ehe sie in ihrer Gestalt aus Sandstein gänzlich zerfallen wären. – Sie wären in Beton reine ÄUSSERE VERSCHALUNG, Parteigenosse Löwe? – Unzerstörbar. – Der Innenbau aus dem 12. Jahrhundert aber wäre durch den zerrinnenden Sand zerstört? – Müßte neu hergerichtet werden. – An dem Schutzbau wäre nichts Heiliges? – Heiligkeit ist keine Sache des Baumaterials. Im Winter kam dann die Sandströmung in den Domen des Rheins zum Stillstand. Waren die Dome vielleicht durch eine lang andauernde Ostdrift trockener Winde gefährdet worden, wie sie im Juli und August 1942 stattfand? Nachdem die Westströmung mit ihren aggressiven jahrhundertealten Winden zum Ende des Jahres wiederkehrte, beruhigten sich die Kolosse. / Text: Alexander Kluge, 2017

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